26.10.12 - G-Force Training





Steilspiralen sind nicht mein Lieblingsmanöver. Der unbekannte Effekt der erhöhten G-Kraft beunruhigt mich. Wieviel G-Kraft kann ich ertragen und wie lange? Und was passiert wenn es mal zuviel der Guten wird. Also hab ich mich für ein G-force Training bei Fliechraft in Malans angemeldet um diese Fragen beantwortet zu bekommen. Dani und Fredi wollten’s auch wissen und kamen mit.
Die G-force Anlage in Malans ist eigentlich eine grosse Zentrifuge. Der Pilot sitzt in seinem Gurtzeug an einem Ende der rotierenden Stange und wird durch ein Gegengewicht am anderen Ende ausbalanciert. Wie am Gleitschirm kann man die Drehgeschwindikeit der virtuellen Steilspirale via Bremsgriffe steuern, bis zu einem Maximalwert, den Chrigu am Steuerpult einstellt. Beim ersten Durchgang probieren wir 1.5G und danach 2G. Geht bestens, nur dass mein Bauch und mein Kopf von der Dreherei nicht begeistert sind und mir leicht übel wird. Im zweiten Durchgang stehen 2.5G und 3G an. Auch das geht gut, aber das Unwohlsein wird nicht besser. Jetzt wird uns die Theorie des Pressatmens und der Körperspannung als Mittel zur Reduktion der Effekte der G-Kraft vermittelt. Bei der nächsten Runde sind 3.5G und 4G angesagt. Ich überrede Chrigel den 3.5G Schritt wegzulassen und grad auf 4G hochzufahren, in der Hoffnung die Übelkeit mit weniger Anfahren und Abbremsen besser zu ertragen. Chrigel willigt ein, und schlägt vor dann bei 4G grad eine Minute zu drehen, um zu sehen wie sich das anfühlt. Mach ich natürlich. Mit Pressatmung und Körperspannung halte ich eine Minute bei 4G gut durch, nur mein Hals hätte den Kopf und den Helm nicht viel länger über dem Körper halten können. Bei 4G spiralt der durchschnittliche Gleitschirm in einer Minute ca. 900 Meter in die Tiefe (bei null Steigen), das ist also eine brauchbare Erfahrung. Ich bin begeistert. Nicht so mein Magen. Der entleert sich kaum das ich wieder auf dem Boden stehe. Mittagessen mag ich danach nicht viel.
Am Nachmittag geht es mit 4.5 und 5G weiter, dann mit 5.5 und 6G, gefolgt von 6.5 und 7G. Nach der zweiten Runde rebelliert mein Magen wieder und wirft mich aus dem Rennen. Den anderen in der Gruppe geht es zum Glück besser als mir. Dani und Fredi gehen bis fast zur 7G Grenze. Das sind zwar Werte die mit dem Gleitschirm nicht wirklich erflogen werden können, aber sie zeigen auf, dass Reserve vorhanden ist. Ein wichtiger Aspekt des Trainings zwischen 4G und 7G ist die Möglichkeit zu erfahren was passiert wenn zuviel gedreht wird. Alle haben wir erlebt, wie sich bei erhöhter Belastung das Gesichtsfeld einengt, wie dann die Farbempfindung verschwindet, und wie schlussendlich das schwarz-weisse Bild ins Schwarz wechselt. Das Gehirn registriert das alles klar, nur der Blick ist weg. Also runter von der Bremse, etwas erholen und dann wieder versuchen schneller zu drehen.
Am Ende des Kurses sind wir uns einig. Das war eine sehr nützliche Erfahrung, die wir nicht so problemlos am Schirm in der Luft hätten erfliegen können. Vielleicht steigt die Steilspirale nächstes Jahr zum Lieblingsmanöver auf?

Bericht von Christoph B.