Notschirmpendeln

Die Teststelle Air Turquoise (Paratest) hat dieses interessantes Testvideo eines parallelen Retterwurfes auf Youtube hochgeladen. Parallel heißt: Zwei Piloten werfen gleichzeitig die Rettung. Interessant ist, was dann folgt: Denn die eine Rettung öffnet zwar verzögert, doch verhält sie sich beim weiteren Sinkflug viel ruhiger, während die andere ein starkes Pendeln entwickelt (und das bei getrenntem Hauptschirm). Die pendelnde Retterkappe sinkt viel schneller. Letztendlich landen die zwei Testpiloten, die beim Retterwurf auf etwa gleicher Höhe waren, mit einem deutlichen zeitlichen Unterschied. Leider macht das Video keine Angaben dazu, um welche Rettermodelle es sich handelt.



In letzter Zeit hat sich Air Turquoise (Paratest) stärker mit dem Thema Retter und Rettertest beschäftigt. Vieles liegt hier noch im Argen. Denn es gibt nicht nur Retter, die eine starke Pendelneigung haben. Entscheidend ist auch die Art und Weise, wie man nach dem Retterwurf mit seinem Hauptschirm umgeht. Lässt man ihn einfach offen weitersegeln, kann es zu einer gefährlichen Scherenstellung und dem sogenannten Downplane kommen: Der Gleitschirm entwickelt so viel Auftrieb, dass er den Piloten aus dem Schwerpunkt unter der Rettung herauszieht. Das verstärkt das Sinken dramatisch. Bis zu 14 m/s Sinken im Downplane hat Air Turquoise (Paratest) schon mit üblichen Kombinationen aus Retter und EN-B-Schirm gemessen. Ein solcher Aufschlag auf festem Grund ist lebensgefährlich!

Daraus folgt die klare Erkenntnis: Wer nach dem Retterwurf noch die Zeit dazu hat, sollte sich auf jeden Fall darum kümmern, seinen Hauptschirm flugunfähig zu machen. Air Turquoise (Paratest) berichtet von drei Verfahren, die mehrfach vergleichend erprobt wurden:

B-Stall: Der Hauptschirm wird durch das Ziehen der B-Ebene gestallt. Allerdings verlangt das am Anfang viel Kraft, und auch weiter viel Kraft, diesen Zustand zu halten. Im ungünstigen Fall kann es trotzdem zu einem leichten Downplane mit erhöhtem Sinken kommen.

Hauptschirm lösen: Wer Trennkarabiner hat, kann seinen Hauptschirm nach dem Retterwurf einfach vom Gurtzeug lösen. Das verlangt freilich ein sehr geordnetes Vorgehen, was vielen in der Stressituation nicht immer gleich gelingt. Außerdem: Wenn die Schirmkonfiguration vor dem Lösen schon in der Downplane-Stellung war, kann das Freigeben des Hauptschirms zu einer starken Pendelbewegung führen. Je nach Resthöhe und Notschirm könnte diese sogar bis zum Boden anhalten. Im Idealfall ergibt diese Variante freilich das ruhigste Sinken mit der geringsten Geschwindigkeit.

Bremsleinen einholen: Air Turquoise (Paratest) empfiehlt, die Bremsleinen beidseitig gleichmäßig zu wickeln, bis die erste Leinenkaskade an der Bremsleinenrolle anstößt. Das braucht am wenigsten Kraft und Konzentration. Dann greift man eine der seitlichen Leinen und zieht darüber den Schirm zu sich heran, um ihn am Ende als geknülltes Stoffpaket vor sich zu raffen. Es bleibt freilich immer noch ein Nachteil: Der Stoffberg vor dem Bauch behindert möglicherweise die Sicht zum Boden, um sich auf die Landung besser vorzubereiten. (Quelle: lu-glidz)